Arbeitsrecht

    Mobbing - entgegentreten statt tatenlos zuzusehen!!!

    Mobbing - entgegentreten statt tatenlos zuzusehen!!!

    Im Berufsalltag kommt es leider immer wieder vor, dass sich ArbeitnehmerInnen untereinander mobben. Die Ursachen für Mobbing können so unterschiedlich sein wie die ArbeitnehmerInnen - "vom Azubi bis zur Chefsekretärin" - von denen Mobbing ausgeht bzw. die Opfer sind. Auch Betriebsratsmitglieder sind davon nicht auszunehmen. Bei genauerer Betrachtung stellt man auch fest, dass die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen - z. B. zunehmende Arbeitslosigkeit und Angst um den eigenen Arbeitsplatz - eine (sehr) große Rolle spielen.

    Durch Mobbing geprägte Machtkämpfe in der Belegschaft können mit darüber entscheiden, wer

    • nicht befördert wird,

    • (wieder) keine Beförderung/Gehaltserhöhung bekommt,

    • nach der Ausbildung nicht übernommen wird,

    • bei Entlassungen gehen muss,

    • ...

    Wenn Mobbing zwischen KollegInnen entsteht, ist die/der Vorgesetzte gefragt. Sie/Er hat nicht nur die Weisungsbefugnis, sondern auch eine Fürsorgepflicht für alle seine MitarbeiterInnen. Eine gute Vorgesetzte/ein guter Vorgesetzter wird schnell merken, wenn einzelne KollegInnen gemobbt werden, und sie/er wird rechtzeitig eingreifen. Je früher sie/er eingreift, um so besser sind die Chancen, den Mobbing-Prozess schon im Ansatz zu stoppen.

    Leider sind Vorgesetzte, deren Führungsverhalten mangelhaft ist, häufig Verursacher von Mobbing.

    Der Betriebsrat kann in einem Mobbing-Fall eingreifen. Er sollte einschreiten, wenn sich KollegInnen gegen ein Opfer zusammenrotten oder wenn die/der Vorgesetzte, eventuell mit Unterstützung der KollegInnen, gegen eine(n) Untergebene(n) Mobbing-Handlungen unternimmt.

    In manchen Unternehmen scheint Mobbing vom Management geduldet zu sein - ganz nach dem alten Motto "teile und herrsche" - oder geht gar von ihm aus, wenn es um die Durchsetzung personalpolitischer Ziele (Personalabbau) geht. In diesem Zusammenhang spricht man auch von entsolidarisierenden Maßnahmen und Bossing (Mobbing durch (den) Vorgesetzte(n)).

    Ein Betriebsrat kann solche Neigungen des Managements schon im Ansatz stoppen, wenn er die ihm zur Verfügung stehenden Informationsmöglichkeiten und seine gesetzlichen Werkzeuge phantasievoll und mit der durch die gewerkschaftliche Kommunikation erweiterten Wissensbasis effektiv nutzt. Dabei spielen eine aktive betriebsinterne Öffentlichkeitsarbeit und insbesondere Betriebsversammlungen eine zentrale Rolle, damit die KollegInnen auf breiter Ebene informiert werden. Auch können dadurch (quasi automatisch) entsolidarisierende Maßnahmen des Managements zumindest deutlich erschwert, wenn nicht sogar deren Erfolg vereitelt werden.

    • Mobbing und insbesondere Bossing ist mit Zivilcourage und Solidarität entgegenzutreten, statt tatenlos zuzusehen, denn es kann jeden/jede treffen - auch Sie/Dich.

    Mitunter kann es aber auch vorkommen, dass einzelne BR-Mitglieder – die insges. die Mehrheit im Betriebsrat bilden – vertrauliche Gespräch mit der Arbeitgeberseite und ganz generell die Heimlichtuerei höher einschätzen als die Informationspflichten gegenüber der Belegschaft. Derart veranlagten BR-Mitgliedern sollte die Belegschaft gründlich misstrauen und sorgfältig auf frühzeitig informierende, die Belegschaft beratende und besonders auf verhandlungs- und durchsetzungsstarke Betriebsräte setzen, wenn sie nicht auf ganzer Linie verlieren möchten. Ein Betriebsrat, der nicht durch eine gute betriebliche Öffentlichkeitsarbeit in der Belegschaft verwurzelt ist und auch nicht Kontakt zur Gewerkschaft sucht, läuft erfahrungsgemäß bei jeder Verhandlung Gefahr, von der Arbeitgeberseite über den Tisch gezogen zu werden.

    MOBBING Psychoterror am Arbeitsplatz

    Mobbing ist ein Prozess in der Arbeitswelt, in dem zerstörende Handlungen gegen Einzelne über einen längeren Zeitraum vorgenommen werden. Die Betroffenen empfinden die Angriffe als Beeinträchtigung und Verletzung ihrer Person.

    Der ungebremste Verlauf der Angriffe schädigt Körper, Geist und Seele. Isolation und Ausgrenzung nehmen zu, dagegen schwinden die Chancen auf eine zufriedenstellende Lösung.

    Der Verlust des Arbeitsplatzes ist meist die Folge!

    MOBBING kann jeden/jede treffen!

    Auch Sie können betroffen sein.
    Gleich ob Frau oder Mann, ob Jung oder Alt, Arbeitnehmer/in oder Vorgesetzte/r, tatsächlich ist niemand ausgenommen!

    MOBBING

    • verletzt die Würde des Menschen

    • grenzt aus

    • diskriminiert, macht krank und bewirkt eine Abwärtsspirale aus sinkendem Selbstwertgefühl, Versagensängsten und Schuldgefühlen

    MOBBING

    zerstört auch das soziale Umfeld wie Familie, Partner, Freunde.

    MOBBING

    schadet dem Betriebsklima und beeinträchtigt den wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens.

    • Mobbing: Definition durch das Bundesarbeitsgericht

      1."Mobbing" liegt vor, wenn unerwünschte Verhandelnsweisen bezwecken oder bewirken, dass die Würde der betreffenden Person verletzt und ein von Einschüchterung, Anfeindung, Erniedrigung Entwürdigungen oder Beleidigungen gekennzeichnetes Umfeld geschaffen wird.

      2. Ein durch "Mobbing" geschädigter Arbeitnehmer kann analog § 2 Abs. 3 AGG verlangen, dass der Arbeitgeber die im Einzelfall geeigneten, erforderlichen und angemessenen Maßnahmen zur Unterbindung des "Mobbing" wie Abmahnung, Umsetzung, Versetzung oder Kündigung ergreift.

      3. Ein Arbeitgeber haftet gemäß §§ 241 Abs. 2, 253 Abs. 2, 278, 280 Abs. 1 BGB für Schäden, die einem Arbeitnehmer durch Mobbing seitens seiner Vorgesetzten entsteht. Ein Ausschluss dieser Haftung nach § 12 Abs. 1 und 2 AGG findet nicht statt.

      Urteil 8 AZR 593/06 vom 25.10.2007 (Leitsätze vom Verfasser)

      Quelle: Bell & Windirsch - Anwaltsbüro

    „Es beginnt mit Magenschmerzen und kann im Selbstmord enden“

    Folgen von MOBBING

    Psychoterror in der Arbeitswelt diskriminiert Menschen und hat in der Regel zur Folge:

    • Entwürdigung

    • Stress, erhöhte Nervosität und Krankheiten

    • Isolation

    • Versetzungen und Abmahnungen

    • Zerstörung des Selbstwertgefühls

    • Kündigung des Arbeitsverhältnisses

    • Beruflicher Abstieg und die Gefährdung der sozialen und wirtschaftlichen Existenz

    • Schlechtes Betriebsklima und Entsolidarisierung bestimmen den Arbeitsalltag

    • Betriebswirtschaftliche und volkswirtschaftliche Schäden sind ebenfalls Folgen von Psychoterror am Arbeitsplatz

    Wertschätzen Sie sich selbst – Sie sind wichtig!

     Foto: Bildungswerk ver.di Konflikte am Arbeitsplatz

    Wir beraten und unterstützen Sie:

    • bei der Erarbeitung von Konfliktlösungen

    • bei Aufklärung und Prävention am Arbeitsplatz

    • bei Betriebs- und Personalversammlungen

    Wir schulen, trainieren und coachen:

    • bei Qualifizierungen

    • beim Arbeits- und Gesundheitsschutz

    Konfliktbewältigung und Zivilcourage und Solidarität - Tu was! Wir sind für Sie/Dich da!

    Hier der ver.di-Netzwerk-Flyer mit wichtigen Kontaktadressen.

    Neuerung zur Rechtsprechung zum „Mobbing“

    Das Bundesarbeitsgericht (BAG) hat „Belästigung“ aus § 3 Abs. 3 Allgemeinen Gleichstellungsgesetz (AGG) nunmehr als Definition auch für „Mobbing“ zugrunde gelegt. Dies wird erhebliche Auswirkungen für betroffene Arbeitnehmer/innen haben. Nun können auf verschiedene Arbeitsgerichte auf die Rechtsprechung zu § 3 Abs. 3 AGG zurückgreifen. 

    Mehr Details dazu gibt von Bell & Windirsch in deren Mandanteninfo Juni 2008 (PDF, 39 kB)

    Weiterführende Quellen: